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Pégagogie des échanges – Austauschpädagogik

Tagung im FIEF – La Bégude-de-Mazenc – 24. bis 31. Oktober 2009

Die Tagung wird in deutscher und in französischer Sprache abgehalten.

 

Sprache : Heimatproduktionen

Die Tagung befasst sich mit dem Thema Sprache in ihrer vielgesichtigen Funktion, Heimat zu produzieren, vor allem im Sinne einer kulturellen Verwurzelung. Dies geschieht als eine mentale Produktion, eine geistige Inbesitznahme, eine Aneignung der geschichtlichen, gesellschaftlichen, natürlichen, ästhetischenund ethischen Parameter die das Umfeld des Menschen prägen. Die Beschäftigung mit diesem Thema wird die Fülle der sprachlichen Instrumente sichten, so die Bildsprache und ihre Übersetzung in Wortsprachen, interpretierende und analysierende Sprachnutzung, Sprachfindungen in schmerzhaften gesellschaftlichen Integrationsprozessen. Ferner wird sich die Tagung mit dem spannenden und in den Sprachtiefen schürfenden Prozessen von Übersetzungs-Arbeit befassen.

 

Programm:

1. Orientierung und Verortung

Die Teilnehmer und Referenten werden mit einem einführenden Vortrag die ungewöhnliche Geschichte des Ländchens von Dieulefit kennen lernen, eine Geschichte der religiösen Toleranz, der gesellschaftlichen Solidarität und des sehr effizienten, zivilen Widerstandes.

(Prof. Bernard Delpal, Historiker / Universität Lyon 2 und CNRS und Anna Tüne).

Die historische und aktuelle Kenntnis des Tagungsumfeldes wird durch tägliche Exkursionen vertieft.

 

2. Autobiographisches Schreiben und Fotografie - Erinnerung und Geschichte

Anhand von Worten und Bildern betreten wir die Grauzone zwischen Erinnerung und Geschichte. Wir nähern uns schreibend und fotografisch der eigenen Biographie und verschränken sie mit Elementen der kollektiven Geschichte. Dabei werden wir unsere Motive der inneren und äußeren Identität beschreiben und abbilden. Mit der Kamera wird sowohl nach autobiographischen als auch allgemein geschichtlichen Elementen in der Natur- und Kulturlandschaft gesucht. Nach der persönlichen Reflektion findet die inhaltliche Auseinander­setzung mit Bild- und Textmaterial in einem gruppen­dynami­schen Pro­zess statt, der Raum für die Vorstellung poesietherapeutischer Ansätze lässt. Rückübersetzungen von Bildsprache in Wortsprache und vice versa finden statt. Auch die Theorie wird uns beschäftigen, um den TeilnehmerInnen zahlreiche Anregungen für ihre eigene Arbeit mit Schülern, Studenten oder SeminarteilnehmerInnen an die Hand zu geben. Dazu gehören Methoden und Techniken des „Life Writing“ ebenso wie Beispiele aus der Literatur. In der Fotographie geht es vor allem um das Spiel mit Bildaufbau, Perspektiven und Belichtung (Bitte digitale Fotoapparate oder Mobiltelefone mitbringen!)

(Workshop von Lutz P. Kayser, Fotograf und Dr. Barbara Glindemann, Literatur-, Sprach- und Kunstwissenschaftlerin)

 

3. Anti-Bias – Programm und Training

In den furchtbaren Verwerfungen der Nach(bürger)kriegs-Situation Südafrikas ist dieses Programm aus früheren in den USA der Bürgerrechtsbewegung entwickelten Ansätzen aktualisiert worden. Neben der Herstellung einer auf dem Gleichheitsgrundsatz beruhenden Rechtlichkeit hat sich Südafrika ungeheuer kreativ und innovativ mit der Notwendigkeit integrativer Strukturen und Methoden befasst. Ein besonders eindrückliches mutiges Beispiel ist die Einrichtung der Wahrheitskommissionen. Dort ist dem Primat gesellschaftlicher Heilungsprozesse durch die Rückgewinnung von Sprache und damit von gesellschaftlicher Kommunikation, gegenüber einem gesellschaftlichen Strafbedürfnis Geltung verschafft worden.

Bei der Arbeit mit dem Anti-Bias Ansatz werden im Klima „einer fehlerfreundlichen Kommunikation“ Formen von Diskriminierung aufgespürt um gemeinsam mit den Beteiligten nicht-diskriminierende Verhaltensweisen zu entwickeln und zu lernen, diese im Alltag umzusetzen. Das Anti-Bias Training macht emotional begreifbar, wie Diskriminierung funktioniert und regt dazu an, diese Mechanismen bewusst zu verlernen. So zielt der Ansatz immer sowohl auf individuelle als auch institutionelle Veränderung und versucht einen Beitrag dazu zu leisten, Vielfalt als Bereicherung anzuerkennen.

Mit dem Anti-Bias Ansatz können längerfristige Veränderungen an Schulen unterstützt werden, die das Zusammenleben und –lernen verbessern. Allgemeinbildende Institutionen sollten alle Kinder und Jugendlichen dazu befähigen, sich mit gesellschaftspolitischen Veränderungsdynamiken und Konflikten in der Einwanderungsgesellschaft, mit Formen und Folgen von Diskriminierung sowie mit

 

Ideologien, Vorurteilen und Feindbildern auseinander zu setzen. Hierbei reicht es nicht aus, auf zugespitzte und spektakuläre Erscheinungsformen, etwa rechtsextreme Cliquenbildung und explizit rassistische Äußerungen, zu reagieren.

In Anti-Bias Trainings können PädagogInnen ferner erste Anregungen erhalten den eigenen Vorurteilsstrukturen auf die Spur zu kommen und das Arbeitsfeld auf Benachteiligungen hin zu analysieren.

Im unserer Seminar-Situation wird über das Programm informiert und vor allem seine Angleichung an und Anwendung in der europäischen Situation vorgestellt. An einem zweiten Tag werden methodische Ansätze und konkrete Übungen angeboten.

(Theaterpädagogin Angelika Staudt)

 

4. Internet als Ort der Produktion von Identität und Heimat

Inmitten einer universellen Präsenz und Verfügbarkeit, die surfende Existenzen ins World wide web locken, bilden sich virtuelle Orte die als Heimat fungieren.
Symptomatisch ist ein Beispiel aus dem Web2- Zusammenhang: Eine ganze Reihe von Web-Nutzern, die regelmäßig für die Bewertungsplattform Qype schrieben, verließen, durch Maßnahmen der Betreiber brüskiert, ihre "Community" und versuchten, sich unabhängig von einem kommerziell organisierten Portal einen neuen Treffpunkt zuschaffen – sie nannten ihn "Neue Heymat".

Der Prozess des Schreibens, des Beschreibens – sei das Sujet nun die eigene Person, die Gruppe, die eigene Stadt, die Gesellschaft – produziert mentale Heimaten und verortet somit die Schreibenden. Die Beteiligten setzen sich in selbst gewählte kommunikative Koordinaten, die von jedem, und sei es eine noch so geringe, aktive Beteiligung einfordern.
Auch die Rückwirkung des Schreibens darauf, wie man sich mit verändertem Blick in seiner wirklichen Welt bewegt, wie sich zur virtuellen eine neu gefasste reale Heimat gesellt, ist in diesem Zusammenhang ein höchst interessantes Thema.
Es wird eine Einführung in die Materie mit vielen konkreten Beispielen angeboten mit dem Ziel mit den TeilnehmerInnen die Schritte zur Einrichtung eines Weblogs zu erarbeiten.

(Dramaturgin Marie M. Schäffer)

 

 

 5. Übersetzen

Der französische Übersetzer der Tagebücher von Viktor Klemperer und Christa Wolf, Ghislain Riccardi und der deutsche Übersetzer von Jean-Paul Sartre und AutorVincent von Wroblewsky laden zum Werkstattgespräch.

Beispiele der Feinheiten der deutschen und französischen Sprache im Zusammenhang mit ihrer jeweiligen Übersetzung werden ergänzt durch Beispiele ungewöhnlicher Lösungen und Methoden.

Es folgen Lesung und Diskussion

 

6. Informationsabend mit einem Vertreter des Deutsch-französischen Jugendwerkes

Die vielfältigen Möglichkeiten deutsch-französischen Austausches im Jugend- und Schulbereich, in der universitären und in der Erwachsenen-Bildung und pädagogischen Fortbildung werden vorgestellt, vor allem in ihren aktuellen Erweiterungen und Angleichungen an die Situation des 21. Jahrhunderts.

 

7. Abendprogramm

An den Abenden finden Lesungen, vertiefende Arbeitsgruppen und zwei Begegnungen mit schreibenden Zeitzeugen statt.


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Tagungsleitung:
Anna Tüne (Baldige (!) Anmeldungen bitte an tuene.ltd@web.de)

 

Beste Route ab Berlin: Easyjet bis Paris und TGV bis Montélimar – Bitte an die Fahrzeit vom Flughafen bis zur Gare de Lyon denken. Und: Frühbuchungen bringen Rabatte!

 

Teilnahmegebühr:

1. Junge Menschen, Studenten, Pädagogen und Multiplikatoren: 180,- Euro für Kost/Logis/Programm.

Reisekostenerstattung bis 210,- Euro (Bar-Erstattung vor Ort).

2. Über Dreißigjährige aus nicht-pädagogischen Berufen: 350,- Euro für Kost/Logis und Programm. Keine Reisekostenerstattung.

3. Einzelzimmerzuschlag für alle: 70,- Euro

 

 

Tagung: Sprache - Heimatproduktionen

24.- 31. Oktober 2009 im FIEF

Sa /So 24+25.10

Montag 26.10.

Dienstag 27.10.

Mittwoch 28.10.

Donnerstag 29.10.

Freitag 30.10.

Sa. Abend:

Begrüßung

Mo. 9.00 Uhr

Di. 9.00 Uhr

Mi 9.00 Uhr

Do 9.00 Uhr

Fre 9.00 Uhr

Vorstellung / FIEF

Bild und Sprache

Anti-Bias

Anti-Bias

Internet

Führung durch Dieulefit

B.Glindemann und

Gesch.u.Methoden

Prakt.Übungen

Marktbesuch

So 10.00 Uhr

Lutz P. Kayser

Angelika Staudt

Angelika Staudt

Marie M. Schäffer

Ziviler Widerstand

.

Museol.Projekt Dieul.

.

Prof.Delpal / A.Tüne

14.00 Uhr

14.00 Uhr

14.00 Uhr

14.00 Uhr

14.00 Uhr

14.00 Uhr

Wanderung z.Expo

Wanderung

Hugenotten-Museum

Taulignan

Ziegen und Ziegenkäse

Das dt-frz Jugendwerk

"Dt.Widerst.i.Dieulefit"

Col de Vesc und Lauzas

Führ.u.Wanderung

1. Seidenmuseum

Besuch Ziegenhof

Ansätze u.Programme

Besuch Internats-Gel.

2. Widerst.u.Repression

und Käserei

Borris Diederichs

.

20.30 Uhr

20.30 Uhr

20.30 Uhr

20.30 Uhr

20.30 Uhr

20.30 Uhr

Lesung und Gespräch

Internet / Einführung

Übersetzungen

Div. Arbeitsgruppen

Div. Arbeitsgruppen

Bilanz und Auswertung

Dt Widerstand 33-39

Marie M. Schäffer

G.Riccardi und

.

V.v.Wroblewsky

.

Sa. 10.00 Uhr

.

Verabschiedung

 

 

 

 

 

 

 

Ab heute heißt du Sara

Basierend auf der Autobiographie von Inge Deutschkron ("Ich trug den gelben Stern") schrieben Volker Ludwig und Detlev Michel für das GRIPS Theater das Stück "Ab morgen heißt du Sara". Es erzählt von der Angst der Verfolgten, von den Menschen, die Inge Deutschkron und ihrer Mutter geholfen haben und die für sie "Stille Helden" wurden und nicht zuletzt vom kämpferischen Mut eines jungen Mädchens, das nicht aufgibt.


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Blindes Vertrauen


Die Ausstellung "Blindes Vertrauen - Versteckt am Hackeschen Markt" erzählt die Geschichte der Blindenwerkstatt Otto Weidt.

Otto Weidt hatte es verstanden, seine Blindenwerkstatt zu einem "wehrpflichtigen" Betrieb zu machen, um seine jüdischen und nichtjüdischen Blinden und Gehörlosen vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu schützen: die Wehrmacht brauchte schließlich Bürsten und Besen.

Otto Weidt versteckte u.a. die vierköpfige Familie Horn in den Werkstatträumen und holte seine Mitarbeiter aus dem Deportationssammellager Große Hamburger Straße zurück.

Fünf Lebensgeschichten, eine davon ist die Geschichte von Inge Deutschkron, die von 1941 bis 1943 mit falschen Arbeitspapieren bei Otto Weidt arbeitete, berichten in der Dauerausstellung exemplarisch von Otto Weidts kompromisslosen Einsatz.

Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt
Rosenthaler Straße 39
2. Hofdurchfahrt, linker Aufgang
10178 Berlin

Tel. 030 - 28 59 94 07
www.blindes-vertrauen.de

Öffnungszeiten: Mo. bis Fr. 12 - 20 Uhr / Sa. bis So. 11 - 20 Uhr

Eintritt: 1, 50 Euro


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Weitere Hinweise

Das Team von Qrage empfiehlt allen Interessierten, die nachfolgenden Programme an ihre Schulen oder Ausbildungstätten aufzunehmen. Gegebenfalls kann der Verein die Veranstaltungen zum Teil mitfinanzieren.

 


Anti-Bias Veranstaltung


Liebe Anti-Bias Aktivisten und Aktivistinnen,

das Seminar soll einen Rahmen bieten, weitere Ansätze der politischen Bildungsarbeit kennenzulernen. Dabei sollen vorrangig Übungen aus den Bereichen

 Eine Welt der Vielfalt
 Betzavta
 Kompass ( Menschenrechtsbildung)
 Theater der Unterdrückten
 evtl. der Medienpädagogik

vorgestellt werden, die sich für die Arbeit mit Anti-Bias eignen und insbesondere für Kinder und Jugendliche attraktiv sein könnten. Kurze Workshops werden einen Einblick in die oben genannten Methoden ermöglichen, spezifische Übungen vorstellen und im Anschluss ihre Anwendbarkeit für die Anti-Bias Arbeit erörtern.


Mit freundlichen Grüssen,
Euer Planungsteam
Patricia Goethe, Oliver Trisch und Sandra Rabbow

Informationen:

Anti-Bias-Werkstatt
Oliver Trisch
030/68 05 87 53
o.trisch@anti-bias-werkstatt.de
www.anti-bias-werkstatt.de

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Konzert


Allgemeine Informationen

Tonika
ist ein Sinfonie Orchester mit dem Ziel, sich europaweit gezielt an junge Menschen in Schulen und Ausbildungsstätten (Instituten, Universitäten, Akademien) zu richten.

Tonika will jungen Menschen im Rahmen der Arbeitsatmosphäre eines Orchesters klassische Musik auf neue und unkonventionelle Art vermitteln: raus aus der Oper - raus aus der Philharmonie rein in die Schulen.

Tonikachte auf diesem Wege erreichen, junges Publikum für klassische Musik zu interessieren. Um die traditionelle Barriere zwischen Bühne und Publikum aufzuheben, sitzen die Schüler während der Konzerte zwischen den Musikern.

Tonikachte die Musik für sich sprechen lassen; direkt und unmittelbar, ohne Erklärungen und Vorträge. Nach dem Konzert nehmen Musiker und Dirigent sich Zeit für Fragen und einen Austausch mit den Schülern.

Tonika kooperiert mit Schulen, Stiftungen, Unternehmen und Kommunen. Eine multifunktionale Webseite, von der kostenlos die gespielten Werke herunter geladen werden können, ist in Planung. Schüler können auf diesem Wege Informationen über Tonika und die Welt eines Orchesters gewinnen, Proben verfolgen und mehr über Instrumente, Komponisten und Musik erfahren.


rderverein Tonika e. V.

Der gemeinnützige rderverein Tonika e.V. wurde im Mai 2005 mit dem Ziel gegründet, die Aktivitäten der Tonika inhaltlich und finanziell zu unterstützen. Wir freuen uns über jedes neue Mitglied. Einen Mindestbeitrag gibt es nicht und Spenden sind immer willkommen.

Kontakt
Sandra Wilgenbusch, Förderverein Tonika e.V.
Tel.: 0176/23146120
Kontoverbindung: Commerzbank Berlin; Kontonummer: 460089600; BLZ: 12040000

Dirigent und künstlerischer Leiter

Jan Moritz Onken
wurde 1977 in Wuppertal geboren. Er absolvierte im Juni 2004 sein Studium am Staatlichen Konservatorium in St. Petersburg und besuchte zahlreiche Klassen und Meisterkurse in Wien, Detmold (Kurt Masur) und am Bard College, New York. Zu seinen Lehrern gehören Nikolai Alexeev, Harold Faberman und Alexander Polishuk. 2003 assistierte Onken Mariss Jansons, Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks und des Concertgebouw Orkest.

 
Kontakt
c/o Max Wetzig
Naugarderstr.9
10409 Berlin,
Tel.: 0173/9029597
Email:
moritzonken@gmail.com

 

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Lesung

 

Courage gegen Fremdenhass e.V. finanziert zwei Lesungen von „Die Frau an seiner Seite“ an Berliner Schulen. Die Lesung, eine Auftragsarbeit des Haus der Wannsee-Konferenz, beleuchtet die noch wenig bekannte Seite der Frauen an der Seite von SS-Tätern. Schüler im Mindestalter von 16 Jahren. Dauer: ca. 90 min. Weitere Informationen unter www.autako.de/die-frau-an-seiner-seite


Kontakt:

Inga Dietrich

Tel.: 030-69598919

inga.dietrich@gmx.de




Die Frau an seiner Seite

Männerkarrieren, Tatnähe und ‚weibliche‘ Verstrickungen

im Nationalsozialismus



Inga Dietrich, Joanne Gläsel und Sabine Werner


Eine szenische Lesung mit

„52jähriger, rein arischer Arzt, Tannenbergkämpfer, mit Siedlungsabsicht,

wünscht männliche Nachkommenschaft durch

standesamtliche Ehe mit gesundem, altarisch, jungfräulich

jungem, anspruchslosem, auch für grobe Arbeit geeignetem,

wirtschaftlichem Weibe mit breiten Absätzen, ohne Ohrringe,

möglichst ohne Vermögen. Vermittler abgelehnt, Verschwiegenheit

zugesichert.“

Münchner Neueste Nachrichten

aus: Joachim Fest „Das Gesicht des Dritten Reiches“


Der ungewöhnliche Blick

Im August 2001 wurden wir vom Haus der Wannsee-Konferenz

gebeten, eine Lesung zum Thema Täterinnen im Nationalsozialismus

zu konzipieren. Unsere Arbeitsgemeinschaft, die sich bis

dahin mit Opfern des Nationalsozialismus beschäftigt hatte,

nahm den Auftrag interessiert entgegen und begann sogleich

mit der Recherche.

Nach umfangreicher Literatursichtung wurde uns deutlich, wie

vielfältig Frauen in die Verbrechen des Dritten Reiches verstrickt

waren, u.a. als Krankenschwestern (Euthanasie), als Lageraufseherinnen

oder in der Verwaltung. Ihre Taten ließen sich konkret

benennen. Wir entschlossenuns jedoch, die bis heute meist

unbeachtet gebliebenen (Ehe)Frauen von Tätern genauer zu

betrachten, besonders die der SS-Sippengemeinschaft.

Die Recherche war dementsprechend aufwendig, denn Original-

Dokumente und wissenschaftliches Material, das sich mit

der Täterschaft dieser Frauen beschäftigt, waren nur schwer zu

.nden. Dennoch gelang es uns, innerhalb von acht Monaten

ausreichendes Material für eine Lesung zusammenzutragen.

In die berüchtigte „Grauzone“ eingedrungen zu sein, machte

die Arbeit aufregend und persönlich. Letztlich auf den Spuren der

eigenen Großmütter. Ganz normale Frauen. Juristisch ohne Schuld.

Worin genau bestand ihre Täterschaft? Wer waren sie?

Mit Spannung verfolgten wir den Weg, den diese scheinbar

harmlosen Frauen gegangen waren, um am Ende mit ihnen in

einer schönen Villa mit Blick aufs Krematorium zu landen.

Unser Versuch einer neutralen Betrachtung war nicht immer

leicht – die Frauen zu verurteilen lag oft näher, als sie zu verstehen.

So belustigend und absurd wir z.B. die Aufnahmebedingungen

in die SS empfanden oder die Idee Himmlers, eine Zweitehe

einzuführen, so erschreckend einfach und alltäglich erschienen

uns die Motive der Frauen, der Vernichtung so vieler Menschen

zuzusehen: Liebe, Aufstiegsmöglichkeiten, eine schöne Villa,

etwas mehr Geld – nichts, was nicht auch heute Menschen

verführt.

Die Lebenswege der einzelnen Frauen, ihre Sicht der Dinge im

Nationalsozialismus und nach Kriegsende, sowie die Beschreibung

der inneren Struktur der SS, bilden die grundlegenden

Elemente der Lesung.


Einblicke in die Lesung

„Die Frau hat die Aufgabe, schön zu sein und Kinder

zur Welt zu bringen. Das ist gar nicht so roh und

unmodern, wie sich das anhört. Die Vogelfrau putzt

sich für den Mann und brütet für ihn die Eier aus.

Die Entfernung der Frauen aus dem öffentlichen

Leben, die wir vornehmen, geschieht nur, um ihnen

die Frauenwürde wiederzugeben.“

aus: Joseph Goebbels, Tagebücher

Magda Goebbels

„Wir müssen uns darüber klar sein, dass die Bewegung,

die Weltanschauung, dann Bestand hat,

wenn sie von der Frau getragen wird, denn Männer

erfassen alle Dinge mit dem Verstand, während die

Frau alle Dinge mit dem Gefühl erfasst...

Nur wenn es uns gelingt als Sippenorden mit der

Frau zusammen in die Zukunft zu gehen, die Frau

mit einzubeziehen in unsere Aufgaben, dann werden

wir das erreichen, was wir uns als Ziel gesteckt

haben.“

Heinrich Himmler, 18. 02. 1937

Eine Hakenkreuzhochzeit. Im August 1932 heiratet Eva

Krieger den SA-Standartenführer Johannes Schäfer.

„Mehr als alles andere erträumte sich mein Mann

damals ein normales Familienleben und ein eigenes

Haus. Eines Tages kam er heim und fragte, was ich

denn dazu dächte, wenn er hauptamtlich zu den

Totenkopfverbänden ginge. Er sagte mir, es handele

sich um eine neue Stelle, die irgendwie mit Militär

und Polizei etwas zu tun habe. Wir würden umziehen

müssen in eine andere Stadt, und dort würden

wir dann ein eigenes Häuschen kriegen. So kamen

wir nach Dachau. Hätte ich nein gesagt, wäre er

Schiffer auf der Donau geblieben.“

Fanny Fritzsch in: Tom Segev „Die Soldaten des Bösen“

Villa Höß mit Blumengarten, Auschwitz, Polen

(Archiv des Staatlichen Auschwitz-Museums )

Ruth Irene Kalder (rechts) mit einer Freundin auf der

Terrasse der Lagervilla in Plaszow, Polen

„Wir, Reinhard und ich, sind zufrieden. Er ist froh, dass

ich alle häuslichen Probleme von ihm fernhalte.

Kommt er abends müde und erschöpft nach Haus,

bin ich für ihn da. Den ganzen Tag hat er für andere

da zu sein, immer bereit, immer gegenwärtig und immer

Entscheidungen, oft sehr schwere Entscheidungen,

zu fällen. Dieses kleine Zuhause genießt er.“

aus: Lina Heydrich „Leben mit einem Kriegsverbrecher“

Reinhard und Lina Heydrich mit ihren Kindern

„Mein Mann kann einen derartigen Befehl nicht

gegeben haben, das liegt nicht in seiner Art... Und

wenn er etwas getan haben sollte, so wird er dafür

geradestehen. So ist mein Mann – und nicht anders.“

Franz und Thea Stangl, Brasilien 1951 Käthe Meyer in:

„die strasse“ vom 16. 4.1950

„In der Lokalzeitung taucht sein Name auf, und da

heißt es: ‚…mit tierischer Wollust sah er Menschen

sterben…‘

Man möchte lachen… was soll er denken, wenn er

so ein Geschmiere sieht.“

Irene Mengele in: Posner/Ware „Mengele. Die Jagd auf den

Todesengel“


Stimmen zur Lesung

Die Wirkung von sehr gut ausgewählten und professionell gelesenen

exemplarischen Texten, mittels minimalistischer szenischer

Arrangements in deren Aussage eindrucksvoll unterstützt, war

überwältigend. Die Hörer haben die Lesung gebannt verfolgt

und die Veranstaltung sehr nachdenklich verlassen. Gerade

das implizite Aufwerfen von Fragen, dem m.E. wichtigsten Effekt

der Lesung, erscheint mir fruchtbarer als explizite moralische

Wertungen oder eigene Kommentare. Ich kann diese Lesung

für den Zweck politisch-historischer Bildung und für die Auseinandersetzung

mit dem Nationalsozialismus sehr empfehlen.

Vor einer Woche war ich Gast bei der szenischen Lesung „Die

Frau an seiner Seite“ in Ihrem Hause. Diese Veranstaltung hat

mich sehr bewegt und es liegt mir am Herzen, Ihnen meine

Eindrücke mitzuteilen. Die sensible Art und Weise mit welcher

sich Inga Dietrich, Joanne Gläsel und Sabine Werner diesem

schwierigen Thema angenähert haben, war ausgesprochen

eindrucksvoll. Als Fernsehjournalistin für die ARD (Panorama und

Hauptstadtstudio Berlin) habe ich mich selber häu.g mit dem

Thema Nationalsozialismus und Neonazismus beschäftigt. Ich

.nde es hochinteressant, diese eher unbekannte Seite, nämlich

die Rolle der Frauen an der Seite der Täter, zu thematisieren.

Dr. Norbert Kampe, Leiter des Hauses der Wannsee-Konferenz

Gesine Enwaldt, Fernsehjournalistin (ARD)


Biographisches

Inga Dietrich

ist freischaffende Schauspielerin und lebt seit 1990 in Berlin. Neben

Theaterproduktionen in Berlin, Hamburg, München und Wien hat

sie in zahlreichen Lesungen und Hörspielen mitgewirkt, u.a. zu Nelly

Sachs, Gertrud Kolmar, Virginia Woolf, Helma Sander-Brahms und

James Joyce.

Die junge Mutter entdeckt seit 1999 mit diversen Film- und Fernsehauftritten

ein weiteres Feld der Schauspielerei; auf der Kinoleinwand

kann man sie u.a. im Film „Kroko“ sehen, der kürzlich den deutschen

Filmpreis in Silber erhielt.

Joanne Gläsel

spielte seit 1985 in unterschiedlichen Rollen und Stücken an den

Städt. Bühnen Münster, dem Oldenburgischen Staatstheater, dem

Staatsschauspiel Dresden und der Schaubühne am Lehniner Platz,

Berlin. Seit 1999 ist sie freischaffend für Bühne, Funk und Fernsehen

tätig und gastiert mit div. Lesungen, u.a. „Das denkende Herz – Die

Tagebücher der Etty Hillesum“. Von 2000 - 2003 stand sie in Hamburg

als Kriminalkommissarin Eva Klaussner in der ZDF-Krimireihe „Der Ermittler“

vor der Kamera.

Sabine Werner

war zwölf Jahre fest an verschiedenen Theatern engagiert, u.a.

in Hamburg, Mannheim, sowie sechs Jahre am Staatsschauspiel

Dresden. 1999 wurde sie Mutter; seitdem arbeitet sie frei, z.B. für die

Komödie Dresden, das so-cietäts-theater Dresden und für DeutschlandRadio

Berlin. Außerdem gastiert sie mit diversen Lesungen, wie

z.B. „Aimée und Jaguar“. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.


Wissenswertes

Quellen

Gisela Bock „Ganz normale Frauen“

Peter Chroust „Friedrich Mennecke. Innenansichten eines

medizinischen Täters im Nationalsozialismus“

Wilfried Daim „Jörg Lanz von Liebenfels“

Joachim Fest „Das Gesicht des Dritten Reiches“

Marc Hillel/Henry Clarissa „Lebensborn e.V. Im Namen der Rasse“

Ilse Heß „Gefangener des Friedens“

Lina Heydrich „Leben mit einem Kriegsverbrecher“

Felix Kersten „Totenkopf und Treue“

Hermann Langbein „Der Auschwitz-Prozeß“, „Menschen in Auschwitz“

Ingeburg Schäfer „Mutter mochte Himmler nie“

Gudrun Schwarz „Eine Frau an seiner Seite“

Tom Segev „Die Soldaten des Bösen. Zur Geschichte der

KZ-Kommandanten“

Gitta Sereny „Am Abgrund. Gespräche mit dem Henker.

Franz Stangl und die Morde von Treblinka“

Anna Sigmund „Die Frauen der Nazis“

Die Lesung ist als Kammerspiel konzipiert.

Terminabsprachen und Honorar auf Anfrage über:



 

autako

Stephanie Schünemann

Martha-Wissmann-Platz 3

30449 Hannover

schuenemann@autako.de

0511-21978166

Juni 2004, Layout: J. Gläsel

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Theater

"Leben"

Acht Frauen zwischen 60 und 70 Jahren spielen nach eigenen Texten Szenen aus der Kindheit, Erwachsensein und Alter. 

Acht Frauen - acht Wege heißt ein Pilotprojekt, das die Schauspielerin Klara Höfels iniitiert und realisiert hat. Sie hat dafür mit Frauen zwischen 60 und 70 Jahren zusammen gearbeitet. Sie kommen aus Ost und West haben sich daran erinnert, was in ihrem Leben so wichtig war, dass sie einige ihrer Schlüsselerlebnisse aus drei Lebensphasen, - frei nach dem Motto "das Private ist auch politisch" einem unbekannten Publikum erzählen.

Weiter Informationen:

Klara Höfels
Tel:: 030 / 46 24 249

E-Mail: klara.hoefels@web.de

 


 

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