Pégagogie des échanges – Austauschpädagogik Tagung im FIEF – La Bégude-de-Mazenc – 24. bis 31. Oktober 2009 Die Tagung wird in deutscher und in französischer Sprache abgehalten. Sprache : Heimatproduktionen Die Tagung befasst sich mit dem Thema Sprache in ihrer vielgesichtigen Funktion, Heimat zu produzieren, vor allem im Sinne einer kulturellen Verwurzelung. Dies geschieht als eine mentale Produktion, eine geistige Inbesitznahme, eine Aneignung der geschichtlichen, gesellschaftlichen, natürlichen, ästhetischenund ethischen Parameter die das Umfeld des Menschen prägen. Die Beschäftigung mit diesem Thema wird die Fülle der sprachlichen Instrumente sichten, so die Bildsprache und ihre Übersetzung in Wortsprachen, interpretierende und analysierende Sprachnutzung, Sprachfindungen in schmerzhaften gesellschaftlichen Integrationsprozessen. Ferner wird sich die Tagung mit dem spannenden und in den Sprachtiefen schürfenden Prozessen von Übersetzungs-Arbeit befassen. Programm: 1. Orientierung und Verortung Die Teilnehmer und Referenten werden mit einem einführenden Vortrag die ungewöhnliche Geschichte des Ländchens von Dieulefit kennen lernen, eine Geschichte der religiösen Toleranz, der gesellschaftlichen Solidarität und des sehr effizienten, zivilen Widerstandes. (Prof. Bernard Delpal, Historiker / Universität Lyon 2 und CNRS und Anna Tüne). Die historische und aktuelle Kenntnis des Tagungsumfeldes wird durch tägliche Exkursionen vertieft. 2. Autobiographisches Schreiben und Fotografie - Erinnerung und Geschichte Anhand von Worten und Bildern betreten wir die Grauzone zwischen Erinnerung und Geschichte. Wir nähern uns schreibend und fotografisch der eigenen Biographie und verschränken sie mit Elementen der kollektiven Geschichte. Dabei werden wir unsere Motive der inneren und äußeren Identität beschreiben und abbilden. Mit der Kamera wird sowohl nach autobiographischen als auch allgemein geschichtlichen Elementen in der Natur- und Kulturlandschaft gesucht. Nach der persönlichen Reflektion findet die inhaltliche Auseinandersetzung mit Bild- und Textmaterial in einem gruppendynamischen Prozess statt, der Raum für die Vorstellung poesietherapeutischer Ansätze lässt. Rückübersetzungen von Bildsprache in Wortsprache und vice versa finden statt. Auch die Theorie wird uns beschäftigen, um den TeilnehmerInnen zahlreiche Anregungen für ihre eigene Arbeit mit Schülern, Studenten oder SeminarteilnehmerInnen an die Hand zu geben. Dazu gehören Methoden und Techniken des „Life Writing“ ebenso wie Beispiele aus der Literatur. In der Fotographie geht es vor allem um das Spiel mit Bildaufbau, Perspektiven und Belichtung (Bitte digitale Fotoapparate oder Mobiltelefone mitbringen!) (Workshop von Lutz P. Kayser, Fotograf und Dr. Barbara Glindemann, Literatur-, Sprach- und Kunstwissenschaftlerin) 3. Anti-Bias – Programm und Training In den furchtbaren Verwerfungen der Nach(bürger)kriegs-Situation Südafrikas ist dieses Programm aus früheren in den USA der Bürgerrechtsbewegung entwickelten Ansätzen aktualisiert worden. Neben der Herstellung einer auf dem Gleichheitsgrundsatz beruhenden Rechtlichkeit hat sich Südafrika ungeheuer kreativ und innovativ mit der Notwendigkeit integrativer Strukturen und Methoden befasst. Ein besonders eindrückliches mutiges Beispiel ist die Einrichtung der Wahrheitskommissionen. Dort ist dem Primat gesellschaftlicher Heilungsprozesse durch die Rückgewinnung von Sprache und damit von gesellschaftlicher Kommunikation, gegenüber einem gesellschaftlichen Strafbedürfnis Geltung verschafft worden. Bei der Arbeit mit dem Anti-Bias Ansatz werden im Klima „einer fehlerfreundlichen Kommunikation“ Formen von Diskriminierung aufgespürt um gemeinsam mit den Beteiligten nicht-diskriminierende Verhaltensweisen zu entwickeln und zu lernen, diese im Alltag umzusetzen. Das Anti-Bias Training macht emotional begreifbar, wie Diskriminierung funktioniert und regt dazu an, diese Mechanismen bewusst zu verlernen. So zielt der Ansatz immer sowohl auf individuelle als auch institutionelle Veränderung und versucht einen Beitrag dazu zu leisten, Vielfalt als Bereicherung anzuerkennen. Mit dem Anti-Bias Ansatz können längerfristige Veränderungen an Schulen unterstützt werden, die das Zusammenleben und –lernen verbessern. Allgemeinbildende Institutionen sollten alle Kinder und Jugendlichen dazu befähigen, sich mit gesellschaftspolitischen Veränderungsdynamiken und Konflikten in der Einwanderungsgesellschaft, mit Formen und Folgen von Diskriminierung sowie mit Ideologien, Vorurteilen und Feindbildern auseinander zu setzen. Hierbei reicht es nicht aus, auf zugespitzte und spektakuläre Erscheinungsformen, etwa rechtsextreme Cliquenbildung und explizit rassistische Äußerungen, zu reagieren. In Anti-Bias Trainings können PädagogInnen ferner erste Anregungen erhalten den eigenen Vorurteilsstrukturen auf die Spur zu kommen und das Arbeitsfeld auf Benachteiligungen hin zu analysieren. Im unserer Seminar-Situation wird über das Programm informiert und vor allem seine Angleichung an und Anwendung in der europäischen Situation vorgestellt. An einem zweiten Tag werden methodische Ansätze und konkrete Übungen angeboten. (Theaterpädagogin Angelika Staudt) 4. Internet als Ort der Produktion von Identität und Heimat Inmitten einer universellen Präsenz und Verfügbarkeit, die surfende Existenzen ins World wide web locken, bilden sich virtuelle Orte die als Heimat fungieren. Der Prozess des Schreibens, des Beschreibens – sei das Sujet nun die eigene Person, die Gruppe, die eigene Stadt, die Gesellschaft – produziert mentale Heimaten und verortet somit die Schreibenden. Die Beteiligten setzen sich in selbst gewählte kommunikative Koordinaten, die von jedem, und sei es eine noch so geringe, aktive Beteiligung einfordern. (Dramaturgin Marie M. Schäffer) 5. Übersetzen Der französische Übersetzer der Tagebücher von Viktor Klemperer und Christa Wolf, Ghislain Riccardi und der deutsche Übersetzer von Jean-Paul Sartre und AutorVincent von Wroblewsky laden zum Werkstattgespräch. Beispiele der Feinheiten der deutschen und französischen Sprache im Zusammenhang mit ihrer jeweiligen Übersetzung werden ergänzt durch Beispiele ungewöhnlicher Lösungen und Methoden. Es folgen Lesung und Diskussion 6. Informationsabend mit einem Vertreter des Deutsch-französischen Jugendwerkes Die vielfältigen Möglichkeiten deutsch-französischen Austausches im Jugend- und Schulbereich, in der universitären und in der Erwachsenen-Bildung und pädagogischen Fortbildung werden vorgestellt, vor allem in ihren aktuellen Erweiterungen und Angleichungen an die Situation des 21. Jahrhunderts. 7. Abendprogramm An den Abenden finden Lesungen, vertiefende Arbeitsgruppen und zwei Begegnungen mit schreibenden Zeitzeugen statt. Beste Route ab Berlin: Easyjet bis Paris und TGV bis Montélimar – Bitte an die Fahrzeit vom Flughafen bis zur Gare de Lyon denken. Und: Frühbuchungen bringen Rabatte! Teilnahmegebühr: 1. Junge Menschen, Studenten, Pädagogen und Multiplikatoren: 180,- Euro für Kost/Logis/Programm. Reisekostenerstattung bis 210,- Euro (Bar-Erstattung vor Ort). 2. Über Dreißigjährige aus nicht-pädagogischen Berufen: 350,- Euro für Kost/Logis und Programm. Keine Reisekostenerstattung. 3. Einzelzimmerzuschlag für alle: 70,- Euro
Tagung: Sprache - Heimatproduktionen 24.- 31. Oktober 2009 im FIEF Sa /So 24+25.10 Montag 26.10. Dienstag 27.10. Mittwoch 28.10. Donnerstag 29.10. Freitag 30.10. Sa. Abend: Begrüßung Mo. 9.00 Uhr Di. 9.00 Uhr Mi 9.00 Uhr Do 9.00 Uhr Fre 9.00 Uhr Vorstellung / FIEF Bild und Sprache Anti-Bias Anti-Bias Internet Führung durch Dieulefit B.Glindemann und Gesch.u.Methoden Prakt.Übungen Marktbesuch So 10.00 Uhr Lutz P. Kayser Angelika Staudt Angelika Staudt Marie M. Schäffer Ziviler Widerstand . Museol.Projekt Dieul. . Prof.Delpal / A.Tüne 14.00 Uhr 14.00 Uhr 14.00 Uhr 14.00 Uhr 14.00 Uhr 14.00 Uhr Wanderung z.Expo Wanderung Hugenotten-Museum Taulignan Ziegen und Ziegenkäse Das dt-frz Jugendwerk "Dt.Widerst.i.Dieulefit" Col de Vesc und Lauzas Führ.u.Wanderung 1. Seidenmuseum Besuch Ziegenhof Ansätze u.Programme Besuch Internats-Gel. 2. Widerst.u.Repression und Käserei Borris Diederichs . 20.30 Uhr 20.30 Uhr 20.30 Uhr 20.30 Uhr 20.30 Uhr 20.30 Uhr Lesung und Gespräch Internet / Einführung Übersetzungen Div. Arbeitsgruppen Div. Arbeitsgruppen Bilanz und Auswertung Dt Widerstand 33-39 Marie M. Schäffer G.Riccardi und . V.v.Wroblewsky . Sa. 10.00 Uhr . Verabschiedung
Symptomatisch ist ein Beispiel aus dem Web2- Zusammenhang: Eine ganze Reihe von Web-Nutzern, die regelmäßig für die Bewertungsplattform Qype schrieben, verließen, durch Maßnahmen der Betreiber brüskiert, ihre "Community" und versuchten, sich unabhängig von einem kommerziell organisierten Portal einen neuen Treffpunkt zuschaffen – sie nannten ihn "Neue Heymat".
Auch die Rückwirkung des Schreibens darauf, wie man sich mit verändertem Blick in seiner wirklichen Welt bewegt, wie sich zur virtuellen eine neu gefasste reale Heimat gesellt, ist in diesem Zusammenhang ein höchst interessantes Thema.
Es wird eine Einführung in die Materie mit vielen konkreten Beispielen angeboten mit dem Ziel mit den TeilnehmerInnen die Schritte zur Einrichtung eines Weblogs zu erarbeiten.
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Tagungsleitung: Anna Tüne (Baldige (!) Anmeldungen bitte an tuene.ltd@web.de)
Ab heute heißt du Sara
Basierend auf der Autobiographie von Inge Deutschkron ("Ich trug den gelben Stern") schrieben Volker Ludwig und Detlev Michel für das GRIPS Theater das Stück "Ab morgen heißt du Sara". Es erzählt von der Angst der Verfolgten, von den Menschen, die Inge Deutschkron und ihrer Mutter geholfen haben und die für sie "Stille Helden" wurden und nicht zuletzt vom kämpferischen Mut eines jungen Mädchens, das nicht aufgibt.
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Blindes Vertrauen
Die Ausstellung "Blindes Vertrauen - Versteckt am Hackeschen Markt" erzählt die Geschichte der Blindenwerkstatt Otto Weidt.
Otto Weidt hatte es verstanden, seine Blindenwerkstatt zu einem "wehrpflichtigen" Betrieb zu machen, um seine jüdischen und nichtjüdischen Blinden und Gehörlosen vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu schützen: die Wehrmacht brauchte schließlich Bürsten und Besen.
Otto Weidt versteckte u.a. die vierköpfige Familie Horn in den Werkstatträumen und holte seine Mitarbeiter aus dem Deportationssammellager Große Hamburger Straße zurück.
Fünf Lebensgeschichten, eine davon ist die Geschichte von Inge Deutschkron, die von 1941 bis 1943 mit falschen Arbeitspapieren bei Otto Weidt arbeitete, berichten in der Dauerausstellung exemplarisch von Otto Weidts kompromisslosen Einsatz.
Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt
Rosenthaler Straße 39
2. Hofdurchfahrt, linker Aufgang
10178 Berlin
Tel. 030 - 28 59 94 07
www.blindes-vertrauen.de
Öffnungszeiten: Mo. bis Fr. 12 - 20 Uhr / Sa. bis So. 11 - 20 Uhr
Eintritt: 1, 50 Euro
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Weitere Hinweise
Das Team von Qrage empfiehlt allen Interessierten, die nachfolgenden Programme an ihre Schulen oder Ausbildungstätten aufzunehmen. Gegebenfalls kann der Verein die Veranstaltungen zum Teil mitfinanzieren.
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Lesung
Courage gegen Fremdenhass e.V. finanziert zwei Lesungen von „Die Frau an seiner Seite“ an Berliner Schulen. Die Lesung, eine Auftragsarbeit des Haus der Wannsee-Konferenz, beleuchtet die noch wenig bekannte Seite der Frauen an der Seite von SS-Tätern. Schüler im Mindestalter von 16 Jahren. Dauer: ca. 90 min. Weitere Informationen unter www.autako.de/die-frau-an-seiner-seite
Kontakt:
Inga Dietrich
Tel.: 030-69598919
Die Frau an seiner Seite
Männerkarrieren, Tatnähe und ‚weibliche‘ Verstrickungen
im Nationalsozialismus
Inga Dietrich, Joanne Gläsel und Sabine Werner
Eine szenische Lesung mit
„52jähriger, rein arischer Arzt, Tannenbergkämpfer, mit Siedlungsabsicht,
wünscht männliche Nachkommenschaft durch
standesamtliche Ehe mit gesundem, altarisch, jungfräulich
jungem, anspruchslosem, auch für grobe Arbeit geeignetem,
wirtschaftlichem Weibe mit breiten Absätzen, ohne Ohrringe,
möglichst ohne Vermögen. Vermittler abgelehnt, Verschwiegenheit
zugesichert.“
Münchner Neueste Nachrichten
aus: Joachim Fest „Das Gesicht des Dritten Reiches“
Der ungewöhnliche Blick
Im August 2001 wurden wir vom Haus der Wannsee-Konferenz
gebeten, eine Lesung zum Thema Täterinnen im Nationalsozialismus
zu konzipieren. Unsere Arbeitsgemeinschaft, die sich bis
dahin mit Opfern des Nationalsozialismus beschäftigt hatte,
nahm den Auftrag interessiert entgegen und begann sogleich
mit der Recherche.
Nach umfangreicher Literatursichtung wurde uns deutlich, wie
vielfältig Frauen in die Verbrechen des Dritten Reiches verstrickt
waren, u.a. als Krankenschwestern (Euthanasie), als Lageraufseherinnen
oder in der Verwaltung. Ihre Taten ließen sich konkret
benennen. Wir entschlossenuns jedoch, die bis heute meist
unbeachtet gebliebenen (Ehe)Frauen von Tätern genauer zu
betrachten, besonders die der SS-Sippengemeinschaft.
Die Recherche war dementsprechend aufwendig, denn Original-
Dokumente und wissenschaftliches Material, das sich mit
der Täterschaft dieser Frauen beschäftigt, waren nur schwer zu
.nden. Dennoch gelang es uns, innerhalb von acht Monaten
ausreichendes Material für eine Lesung zusammenzutragen.
In die berüchtigte „Grauzone“ eingedrungen zu sein, machte
die Arbeit aufregend und persönlich. Letztlich auf den Spuren der
eigenen Großmütter. Ganz normale Frauen. Juristisch ohne Schuld.
Worin genau bestand ihre Täterschaft? Wer waren sie?
Mit Spannung verfolgten wir den Weg, den diese scheinbar
harmlosen Frauen gegangen waren, um am Ende mit ihnen in
einer schönen Villa mit Blick aufs Krematorium zu landen.
Unser Versuch einer neutralen Betrachtung war nicht immer
leicht – die Frauen zu verurteilen lag oft näher, als sie zu verstehen.
So belustigend und absurd wir z.B. die Aufnahmebedingungen
in die SS empfanden oder die Idee Himmlers, eine Zweitehe
einzuführen, so erschreckend einfach und alltäglich erschienen
uns die Motive der Frauen, der Vernichtung so vieler Menschen
zuzusehen: Liebe, Aufstiegsmöglichkeiten, eine schöne Villa,
etwas mehr Geld – nichts, was nicht auch heute Menschen
verführt.
Die Lebenswege der einzelnen Frauen, ihre Sicht der Dinge im
Nationalsozialismus und nach Kriegsende, sowie die Beschreibung
der inneren Struktur der SS, bilden die grundlegenden
Elemente der Lesung.
Einblicke in die Lesung
„Die Frau hat die Aufgabe, schön zu sein und Kinder
zur Welt zu bringen. Das ist gar nicht so roh und
unmodern, wie sich das anhört. Die Vogelfrau putzt
sich für den Mann und brütet für ihn die Eier aus.
Die Entfernung der Frauen aus dem öffentlichen
Leben, die wir vornehmen, geschieht nur, um ihnen
die Frauenwürde wiederzugeben.“
aus: Joseph Goebbels, Tagebücher
Magda Goebbels
„Wir müssen uns darüber klar sein, dass die Bewegung,
die Weltanschauung, dann Bestand hat,
wenn sie von der Frau getragen wird, denn Männer
erfassen alle Dinge mit dem Verstand, während die
Frau alle Dinge mit dem Gefühl erfasst...
Nur wenn es uns gelingt als Sippenorden mit der
Frau zusammen in die Zukunft zu gehen, die Frau
mit einzubeziehen in unsere Aufgaben, dann werden
wir das erreichen, was wir uns als Ziel gesteckt
haben.“
Heinrich Himmler, 18. 02. 1937
Eine Hakenkreuzhochzeit. Im August 1932 heiratet Eva
Krieger den SA-Standartenführer Johannes Schäfer.
„Mehr als alles andere erträumte sich mein Mann
damals ein normales Familienleben und ein eigenes
Haus. Eines Tages kam er heim und fragte, was ich
denn dazu dächte, wenn er hauptamtlich zu den
Totenkopfverbänden ginge. Er sagte mir, es handele
sich um eine neue Stelle, die irgendwie mit Militär
und Polizei etwas zu tun habe. Wir würden umziehen
müssen in eine andere Stadt, und dort würden
wir dann ein eigenes Häuschen kriegen. So kamen
wir nach Dachau. Hätte ich nein gesagt, wäre er
Schiffer auf der Donau geblieben.“
Fanny Fritzsch in: Tom Segev „Die Soldaten des Bösen“
Villa Höß mit Blumengarten, Auschwitz, Polen
(Archiv des Staatlichen Auschwitz-Museums )
Ruth Irene Kalder (rechts) mit einer Freundin auf der
Terrasse der Lagervilla in Plaszow, Polen
„Wir, Reinhard und ich, sind zufrieden. Er ist froh, dass
ich alle häuslichen Probleme von ihm fernhalte.
Kommt er abends müde und erschöpft nach Haus,
bin ich für ihn da. Den ganzen Tag hat er für andere
da zu sein, immer bereit, immer gegenwärtig und immer
Entscheidungen, oft sehr schwere Entscheidungen,
zu fällen. Dieses kleine Zuhause genießt er.“
aus: Lina Heydrich „Leben mit einem Kriegsverbrecher“
Reinhard und Lina Heydrich mit ihren Kindern
„Mein Mann kann einen derartigen Befehl nicht
gegeben haben, das liegt nicht in seiner Art... Und
wenn er etwas getan haben sollte, so wird er dafür
geradestehen. So ist mein Mann – und nicht anders.“
Franz und Thea Stangl, Brasilien 1951 Käthe Meyer in:
„die strasse“ vom 16. 4.1950
„In der Lokalzeitung taucht sein Name auf, und da
heißt es: ‚…mit tierischer Wollust sah er Menschen
sterben…‘
Man möchte lachen… was soll er denken, wenn er
so ein Geschmiere sieht.“
Irene Mengele in: Posner/Ware „Mengele. Die Jagd auf den
Todesengel“
Stimmen zur Lesung
Die Wirkung von sehr gut ausgewählten und professionell gelesenen
exemplarischen Texten, mittels minimalistischer szenischer
Arrangements in deren Aussage eindrucksvoll unterstützt, war
überwältigend. Die Hörer haben die Lesung gebannt verfolgt
und die Veranstaltung sehr nachdenklich verlassen. Gerade
das implizite Aufwerfen von Fragen, dem m.E. wichtigsten Effekt
der Lesung, erscheint mir fruchtbarer als explizite moralische
Wertungen oder eigene Kommentare. Ich kann diese Lesung
für den Zweck politisch-historischer Bildung und für die Auseinandersetzung
mit dem Nationalsozialismus sehr empfehlen.
Vor einer Woche war ich Gast bei der szenischen Lesung „Die
Frau an seiner Seite“ in Ihrem Hause. Diese Veranstaltung hat
mich sehr bewegt und es liegt mir am Herzen, Ihnen meine
Eindrücke mitzuteilen. Die sensible Art und Weise mit welcher
sich Inga Dietrich, Joanne Gläsel und Sabine Werner diesem
schwierigen Thema angenähert haben, war ausgesprochen
eindrucksvoll. Als Fernsehjournalistin für die ARD (Panorama und
Hauptstadtstudio Berlin) habe ich mich selber häu.g mit dem
Thema Nationalsozialismus und Neonazismus beschäftigt. Ich
.nde es hochinteressant, diese eher unbekannte Seite, nämlich
die Rolle der Frauen an der Seite der Täter, zu thematisieren.
Dr. Norbert Kampe, Leiter des Hauses der Wannsee-Konferenz
Gesine Enwaldt, Fernsehjournalistin (ARD)
Biographisches
Inga Dietrich
ist freischaffende Schauspielerin und lebt seit 1990 in Berlin. Neben
Theaterproduktionen in Berlin, Hamburg, München und Wien hat
sie in zahlreichen Lesungen und Hörspielen mitgewirkt, u.a. zu Nelly
Sachs, Gertrud Kolmar, Virginia Woolf, Helma Sander-Brahms und
James Joyce.
Die junge Mutter entdeckt seit 1999 mit diversen Film- und Fernsehauftritten
ein weiteres Feld der Schauspielerei; auf der Kinoleinwand
kann man sie u.a. im Film „Kroko“ sehen, der kürzlich den deutschen
Filmpreis in Silber erhielt.
Joanne Gläsel
spielte seit 1985 in unterschiedlichen Rollen und Stücken an den
Städt. Bühnen Münster, dem Oldenburgischen Staatstheater, dem
Staatsschauspiel Dresden und der Schaubühne am Lehniner Platz,
Berlin. Seit 1999 ist sie freischaffend für Bühne, Funk und Fernsehen
tätig und gastiert mit div. Lesungen, u.a. „Das denkende Herz – Die
Tagebücher der Etty Hillesum“. Von 2000 - 2003 stand sie in Hamburg
als Kriminalkommissarin Eva Klaussner in der ZDF-Krimireihe „Der Ermittler“
vor der Kamera.
Sabine Werner
war zwölf Jahre fest an verschiedenen Theatern engagiert, u.a.
in Hamburg, Mannheim, sowie sechs Jahre am Staatsschauspiel
Dresden. 1999 wurde sie Mutter; seitdem arbeitet sie frei, z.B. für die
Komödie Dresden, das so-cietäts-theater Dresden und für DeutschlandRadio
Berlin. Außerdem gastiert sie mit diversen Lesungen, wie
z.B. „Aimée und Jaguar“. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.
Wissenswertes
Quellen
Gisela Bock „Ganz normale Frauen“
Peter Chroust „Friedrich Mennecke. Innenansichten eines
medizinischen Täters im Nationalsozialismus“
Wilfried Daim „Jörg Lanz von Liebenfels“
Joachim Fest „Das Gesicht des Dritten Reiches“
Marc Hillel/Henry Clarissa „Lebensborn e.V. Im Namen der Rasse“
Ilse Heß „Gefangener des Friedens“
Lina Heydrich „Leben mit einem Kriegsverbrecher“
Felix Kersten „Totenkopf und Treue“
Hermann Langbein „Der Auschwitz-Prozeß“, „Menschen in Auschwitz“
Ingeburg Schäfer „Mutter mochte Himmler nie“
Gudrun Schwarz „Eine Frau an seiner Seite“
Tom Segev „Die Soldaten des Bösen. Zur Geschichte der
KZ-Kommandanten“
Gitta Sereny „Am Abgrund. Gespräche mit dem Henker.
Franz Stangl und die Morde von Treblinka“
Anna Sigmund „Die Frauen der Nazis“
Die Lesung ist als Kammerspiel konzipiert.
Terminabsprachen und Honorar auf Anfrage über:
autako
Stephanie Schünemann
Martha-Wissmann-Platz 3
30449 Hannover
0511-21978166
Juni 2004, Layout: J. Gläsel
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Theater
"Leben"
Acht Frauen zwischen 60 und 70 Jahren spielen nach eigenen Texten Szenen aus der Kindheit, Erwachsensein und Alter.
Acht Frauen - acht Wege heißt ein Pilotprojekt, das die Schauspielerin Klara Höfels iniitiert und realisiert hat. Sie hat dafür mit Frauen zwischen 60 und 70 Jahren zusammen gearbeitet. Sie kommen aus Ost und West haben sich daran erinnert, was in ihrem Leben so wichtig war, dass sie einige ihrer Schlüsselerlebnisse aus drei Lebensphasen, - frei nach dem Motto "das Private ist auch politisch" einem unbekannten Publikum erzählen.
Weiter Informationen:
Klara Höfels
Tel:: 030 / 46 24 249
E-Mail: klara.hoefels@web.de